Ökologie als Motor für Innovation
Nachhaltigkeit in der Spa-Branche
Die "grüne Bewegung" der 1980er-Jahre entwickelt sich heute zum Schlüssel für Nachhaltigkeit. Verbesserte Wirtschaftlichkeit, Energieeinsparung, soziale Verträglichkeit, Glaubwürdigkeit und Gästeakzeptanz sind das Ziel und ganz nebenbei ist die Neo-Ökologie auch ein neues Marketingtool, das Spa-Anlagen gezielt für sich nutzen können.
Die "grüne Botschaft" ist in der Wirtschaft bereits angekommen. Über 60 Prozent der deutschen DAX-notierten Unternehmen verfassen einen jährlichen CSR-Report (Corporate Social Responsibility). Natürlich suchen diese Unternehmen für ihre Events nach ebenfalls "grünen" und entsprechend zertifizierten Veranstaltungshotels, worauf sich die Hotels und Hotelketten gegenwärtig einstellen und sich "Green-Globe"-zertifizieren lassen.
Seit 2009 ist auch die "deutsche grüne Wellnesswelle" ins Rollen gekommen und sucht nach eigenen Ansatzpunkten. Fragt man im Markt nach, so steht die Wellnesshotelbranche dieser neuen Entwicklung noch mit einer gewissen Skepsis gegenüber, scheinen damit doch auch höhere Investitionen im Raum zu stehen. Fünf-Sterne-Hotels fürchten gar um ihre Sterne, wenn es darum geht, Gästen nicht mehr automatisch neue Handtücher zur Verfügung zu stellen bzw. die Raumtemperatur etwas herunterzuregeln.
Spa-Nutzer denken nachhaltig. Es gibt sehr gute Gründe, sich im Denken und Handeln neu auszurichten. Gerade Hotels, Bäder und Spa-Anlagen verbrauchen erhebliche Mengen an Energie. Gesundheitsbewusste, nachhaltig denkende Spa-Nutzer – etwa 30 Prozent der Bevölkerung, so die Aussagen der Trendforscher – sind bereits sogenannte "LOHAS" (Lifestyle of Health and Sustainability). Dieser Lebensstil bzw. Konsumententyp will durch sein Konsumverhalten und gezielte Produktauswahl Gesundheit und Nachhaltigkeit fördern. Das Thema Nachhaltigkeit beginnt, im deutschen Spa-Markt Fuß zu fassen.
"Green Globe", das am weitesten verbreitete Nachhaltigkeitszeichen der Welt (87 Länder), startete 2010 mit über 50 Zertifizierungen eine Nachhaltigkeitsoffensive in Deutschland. Gemeinsam mit der BISA (British International Spa Association) wurden die "Essential Spa Standards" (ESS) erarbeitet und in den weltweiten Green-Globe-Kriterienkatalog aufgenommen. Green Globe hat im vergangenen Jahr begonnen, auch Spa-Anlagen in Deutschland zu zertifizieren. Vorreiter sind dabei die Toskana Therme Bad Sulza und die 2010 fertiggestellte Toskana Therme Bad Orb, die sich als erste Thermalbäder weltweit zertifizieren ließen.
Spa-Betreiber sollten sich differenzieren und mit Nachhaltigkeit zielgerichtetes Marketing betreiben. Allerdings nur dann, wenn sie auch glaubhaft etwas zu bieten haben. Dabei lohnt sich das Nachdenken, denn Betriebe, die sich zu einer nachhaltigen Vision verpflichten, genießen eine Reihe von klaren kommerziellen Vorteilen. Sie sind in der Regel produkt- und service-innovativ. Sie haben eigene Grundsätze, Strategien und Fähigkeiten, die zu revolutionärem Denken für neue Produkte und Dienstleistungen führen, was die Erschließung eines wachsenden Kundenstammes möglich macht. Gleichzeitig haben sie ein geringeres Risiko als vergleichbare Spa-Betriebe, denn sie beweisen ihre Veränderungsfähigkeit. Der Wettbewerbsdruck ist deutlich geringer, da sie in der Lage sind, sich durch innovative, flexible und neue Angebote und Prozesse anzupassen, woraus sich auch ein höherer Markenwert ergibt. Der gute Ruf der nachhaltigen Geschäftspraktik dient dazu, Kunden und Mitarbeiter zu gewinnen und zu behalten. Das bringt Stabilität, schafft Kunden- und Mitarbeiterloyalität und schafft Vertrauen.
Nicht zuletzt zahlt sich Nachhaltigkeit durch eine Reduktion der Kosten aus. Außerdem beschreiten Unternehmen, die strategisch näher an der ökologischen und sozialen Nachhaltigkeit planen, einen wirtschaftlich solideren Weg, denn es geht nicht nur darum, einen Beitrag für die Umwelt zu leisten, sondern auch Neugeschäft zu generieren und so intelligenter zu arbeiten als andere. Viele Schwierigkeiten in der Verbreitung umweltfreundlicher Verfahren und Produkte gehen auf grundlegende Fehler zurück. Die Verantwortlichen konzentrieren sich lediglich auf einzelne Teile statt auf die Chance, das große Ganze zu fokussieren. Werbeaussagen bleiben damit trotz guter Absichten schlichtes "Greenwashing" und damit Etikettenschwindel.
Von kostenintensiven Energieschleudern zum Passivhausstandard. Betrachtet man den Lebenszyklus eines Gebäudes, so entfallen auf die Baukosten lediglich 20 Prozent. 80 Prozent der Kosten entstehen während des anschließenden Betriebs. Investoren, die später in der Regel nicht selbst betreiben, kann man damit nicht beeindrucken. Hier helfen nur eine strenger werdende Energiepolitik und eine daraus resultierende Gesetzgebung. Jedoch sollten inhabergeführte Hotels aufwachen und die Chance nutzen, in Nachhaltigkeit zu investieren. Die Technologien stehen bereit. Der Lohn dafür, ein Pionier zu sein, besteht zumindest in den nächsten Jahren darin, auch werblich punkten zu können. Spa-Anlagen mit Green-Spa-Standard müssen mit hohem Bewusstsein für den Umgang der verfügbaren Ressourcen geplant werden und eine deutliche Energieeinsparung gegenüber konventionellen Anlagen vorweisen. Die Energie sollte fast ausschließlich aus erneuerbaren Quellen gewonnen werden. Neben der Funktionalität der Abläufe sollte eine maximal wirtschaftliche Gebäudestruktur entwickelt werden. Umweltgifte und denaturierte Lebensmittel, Lärm, WLAN und Elektrosmog machen unserer Gesundheit zu schaffen. Ökologisch sauber ausgestattete Spas, baubiologisch mit natürlichen Materialien errichtet, sind Oasen für eine gesunde, ausgewogene und entspannende Erfahrung der Gäste. Auch die Gebäudeausrichtung zur optimalen Nutzung des Tageslichts sollte bedacht, der Sonnenstand und die Einflüsse der Jahreszeiten berücksichtigt werden.
Bauen mit Weitsicht. Während der Planungsvorbereitung und der Planung sollten im Bauprozess die Nachhaltigkeitsfaktoren umgesetzt und kontrolliert werden. Ideal ist diese Aufgabe für einen internen Prozessbevollmächtigten, welcher die Nachhaltigkeitsaspekte der Aufgabenstellung fortlaufend überprüft und diese im Sinne der Zielerreichung dokumentiert. Dazu gehören auch Maßnahmen zum Verringern des Treibhauseffekts. Wie viele eingesetzte fossile Energieträger lassen sich durch Energiesparen bzw. den Einsatz regenerativer Energien reduzieren? Dazu kommt die Möglichkeit, gemäß eines aktiven und passiven Energiedesigns zu planen. Dazu gehört:
- Bauen nach dem Sonnenstand für passive Energiegewinne
- natürliche Belüftung über Nordfenster
- Gründachisolierung
- winddichte Wände mit biologischen Dämmstoffen
- Regenwasser- und Grauwasserrecycling
- intelligente Nachtschaltung und Gebäudesteuerung
- Niedrigenergieleuchten und Tageslichtsysteme
- Kühldecken in öffentlichen Bereichen
- Photovoltaik und solarthermische Systeme
- Windenergie
- erdgekoppelte Gebäudekühlung und Erwärmung/Wärmetauscher
- Erdwärme/Wärmepumpe
- Stromgewinnung aus Wasserturbinen
- Regenwasserspeicher und Schilfrohrdrainage
- Biomasse-/Biogasanlagen
Bei der konventionellen Gebäudeplanung stehen immer die Termine und die Kosten im Vordergrund. Die spätere Wiederverwertbarkeit und der Rückbau werden nur selten eingehend berücksichtigt. Die nachhaltige Qualität eines Gebäudes umfasst aber sowohl gesundheitliche und baubiologische Anforderungen als auch ökologische Faktoren – so auch die Kenntnis und Vermeidung von Baustoffen, die Krankheiten wie das Sick-Building- Syndrom (SBS) hervorrufen, eine gebäudebezogene Krankheit, die Menschen betrifft, die in Gebäuden wohnen oder arbeiten, die nicht gesundheitlichen Standards entsprechen. Zu den Building- Related-Illnesses (BRI) zählen die typischen Innenraumallergien, z. B. gegen Hausstaubmilben, Katzenhaare oder Schimmelpilze. Das MCS-Syndrom ("multiple chemical sensitivity") ist eine vielfache Chemikalienunverträglichkeit, die einen immer größer werdenden Bevölkerungsanteil betrifft.
Bei einem späteren Abbruch ist der Anteil des Recyclings und der Dekontaminierung schon im Planungsstadium zu bestimmen und zu dokumentieren. Das betrifft die Fähigkeit zur Umnutzung und zur Rückbaubarkeit, aber auch die Flexibilität in der Umnutzung der Gebäudeanlage. Die Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit liegt heute in der baulichen Qualität des Gebäudes, in seiner formalen und haptischen Ästhetik und natürlich in seiner städtebaulichen und regionalen Bauqualität. Zum ökologisch verträglichen Energiekonzept gehört eine ganzheitliche Gebäudetechnikplanung.
Konsumenten werden künftig kritischer nachfragen, wie die Umweltstandards und Nachhaltigkeitsprozesse einer Spa-Anlage definiert sind und wie der Betreiber Umweltverträglichkeit und soziale Verantwortung gewährleistet. Um erfolgreich zu sein, führt langfristig am umweltfreundlichen Wirtschaften kein Weg mehr vorbei. Es gibt neue Gesetzgebungen und innovativ ist, wer nicht erst darauf wartet, dass diese greifen. Die Kunden verlangen grüne Produkte und die Unternehmen, Hotels und Spas verändern sich stufenweise. So wird Ökologie der Motor für Innovation.
Autorin: Ute Rührig


