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Diskretes Refugium![]() Der Lanserhof Poolbereich Lanserhof Gesundheitszentrum, A-6072 Lans Das Hotel und Gesundheitszentrum mit 62 Zimmern zieht vor allem solche Gäste an, die in aller Stille und Abgeschiedenheit wieder zu sich selbst finden und sich zumindest zeitweilig von schlechten Lebensgewohnheiten verabschieden wollen. Top-Manager, die beruflich voll eingespannt sind, haben oft wenig Zeit für Arztbesuche. Geschäftstermine hindern sie, sich um eine gesunde Ernährung zu kümmern. Und es ist niemand da, mit dem sie gesundheitliche oder private Probleme, Ängste und Schwächen besprechen könnten. Im Lanserhof finden sie all das unter einem Dach, was sie im normalen Leben vermissen: kompetente therapeutische Beratung unter medizinischer Aufsicht, gesunde und ausgewogene Kost, einen Coach für praktische Lebenshilfe, keinerlei Zwänge. Prominente Gäste wie z.B. der russische Oligarch Roman Abramowitsch wissen das zu schätzen und bezahlen gerne viel Geld dafür. Unfreiwilliger Publicity-Schub. Seit bekannt wurde, dass die Milliardärin Susanne Klatten im Lanserhof ihrem Erpresser Helg Sgarbi begegnet ist, hat das Gesundheitshotel einen unerwarteten Publicityschub erlebt. Wer den Lanserhof heute im Internet googelt, wird unweigerlich mit den Spuren konfrontiert, welche die Affäre weltweit in den Medien hinterlassen hat. Für den Lanserhof war das unfreiwillige Werbung im großen Stil, aber heute möchte man die Geschichte lieber ganz schnell ad acta legen. Andrea Csics, verantwortlich für die PR des Hauses, winkt ab, wenn man sie darauf anspricht. Sie ist froh, dass ihr Haus aus solcherlei Schlagzeilen heraus ist und sich die Wogen geglättet haben. Schließlich geht es auch darum, einen Ruf als diskreter Rückzugsort zu verteidigen. Gäste kommen am häufigsten wegen eines Burn-out-Syndroms hierher oder um sich zu regenerieren, so die PR-Expertin. Auch übermäßiger Alkoholkonsum sei ein häufiger Grund sowie psychische Probleme. Einige Zahlen: Mehr als 2.200 Gäste logieren nach Angaben des Hauses pro Jahr im Lanserhof, die durchschnittliche Aufenthaltsdauer liegt bei 12 Tagen. Der Stammgäste-Anteil ist mit mehr als 70% relativ hoch, die durchschnittliche Auslastung liegt bei erfreulichen 90%. Der Jahresumsatz wird auf 11 Millionen Euro beziffert. In der Wellness-Branche ist der Lanserhof schon lange eine konstante Größe, das Haus ist Mitglied bei den Healing Hotels of the World. Lukrative Marktlücke. Mastermind hinter dem Lanserhof-Konzept ist Andreas Wieser, seit 20 Jahren Geschäftsführender Gesellschafter des Gesundheitszentrums. Auch wenn der Lanserhof nicht nur ein Hotel sein will, und erst recht kein Wellness-Hotel – das Konzept Wiesers wäre wohl kaum so glatt aufgegangen, wenn er nicht bereits über berufliche Einblicke in die Hotellerie verfügt hätte. Der gelernte Hotelier hat seine Berufsausbildung an der renommierten Schweizer École Hôtelière de Lausanne absolviert und war vor dem Einstieg als Geschäftsführer und Mitbesitzer des Lanserhofs u.a. im Management der Robinson Club Hotels tätig. Er hat den Lanserhof speziell auf die Bedürfnisse einer Klientel abgestimmt, für die ein herkömmliches Sanatorium zu altmodisch und ein Krankenhaus zu steril ist. Eine lukrative Marktlücke war geboren: Im Hotelambiente sollten die Gäste des Lanserhofs in Ruhe „mayrn“ und darüber hinaus modernste Diagnose- und Therapiemöglichkeiten auskosten können. Für sie entwickelte Wieser sein spezielles Programm, das auf dem Zusammenspiel von anerkannten Verfahren der Schulmedizin mit traditionellen Heilverfahren basiert: das „Lans_Med Concept“. Hauptmerkmal ist die Berücksichtigung und Verknüpfung der klassisch-schulmedizinischen Ansätze und der Erkenntnisse traditioneller Medizin aus unterschiedlichen Kulturen. Das Spektrum reicht von Reinigungs-, Präventions- und Regenerationsmedizin über Körper- und Bewegungstherapien, Schlafmedizin, Entspannung und Stressmanagement bis hin zum Beautyprogramm. Für die Umsetzung ist ein Team aus 80 Mitarbeitern, davon 40 im Medizin-, Therapie- und Beautybereich, zuständig. Das sechsköpfige Ärzteteam leitet Dr. med. Monika Baronin von Hahn. Für spezifischere diagnostische Leistungen arbeitet der Lanserhof eng mit Spezialisten der Innsbrucker Universitätsklinik zusammen. Sogar die Früherkennung möglicher Krankheiten mittels Gen-Diagnostik ist auf Wunsch des Gastes möglich. Erfolgreicher Turnaround. Angefangen hat der Lanserhof wie viele andere Tiroler Sporthotels als klassischer Beherbergungsbetrieb im rustikalen, alpenländischen Stil mit F.X. Mayr-Schwerpunkt. Es folgten mehrere gezielte Umbaumaßnahmen, welche das Gebäude seiner Bestimmung zum Lifestyle-orientierten Gesundheitszentrum jeweils einen Schritt näher brachten. Im Herbst 2005 eröffnete der Lanserhof mit einer Investition von vier Millionen Euro das Medizin- und Therapiezentrum. Luxushotel-Atmosphäre kommt im Lanserhof eher nicht auf. Viel mehr bestimmen nüchterne Funktionalität und zurückhaltendes Design das Ambiente. Gäste schlurfen in Bademantel und Pantoffeln durch die Gänge, sogar zum Essen braucht man sich nicht extra umzuziehen. Der Gast soll sich durch keinerlei Zeremoniell eingeengt fühlen, sondern frei und behaglich. Nichts Überflüssiges soll ablenken von der Arbeit am eigenen Körper. Auch im Restaurant nicht, der hier „Speisesaal“ heißt: Keine Erlebnisgastronomie, sondern entschlackende Energy Cuisine. Der Gast soll den Sättigungsreflex wieder spüren lernen. Aus schlichten Edelstahlkannen werden Kräutertees ausgeschenkt. Abends kann man mit sich mit anderen Gästen am Kamin in der Lobby austauschen oder den Vorträgen von Ärzten und Kulturschaffenden lauschen. Räume, die heilen sollen. Seit dem Umbau präsentieren sich Lobby, Speisesaal, Hallenbad, Sauna und Zimmer durchweg modern und puristisch. Großzügige Fensterflächen in Lobby, Hallenbad und einigen der Zimmer bieten eine reizvolle Aussicht auf die Tiroler Berglandschaft. Designer-Leuchten, Kunstobjekte, warme Farben und Naturmaterialien wie Holz, Glas, Stein und Wolle bestimmen die Inneneinrichtung, die das Düsseldorfer Architekturbüro Ingenhoven und Partner geschaffen hat. Keine Räume, „die repräsentieren oder manipulieren“, sondern eine stärkende emotionale Hülle für therapiebedürftige Menschen wollte man im Zuge der letzten groß angelegten Umbaumaßnahme realisieren. Ausgesprochen futuristisch und auf das Wesentliche reduziert geht es im Therapiebereich des Gesundheitszentrums zu. Die minimalistische Innenarchitektur soll Ruhe und Ordnung schaffen, sozusagen ein Gegenpol zur Reizüberflutung im Alltag. Die Farbe Weiß beherrscht das Ambiente, blaue Designer-Sessel im Retro-Look und wie Kokons in die Wand eingelassene Ruhebetten könnten vom Set einer Science-Fiction-Serie inspiriert sein. Doch bei allem Futurismus bleiben die Architekten auch den jahrtausendealten, fernöstlichen Feng-Shui-Regeln mit vielen runden Formen bei der Inneneinrichtung verpflichtet. Kubische Einbauten und Objekte ergänzen sie – der Energiefluss soll unbehindert sein. Die Möbel sind teilweise in die Wandflächen integriert und wurden eigens für das Gesundheitszentrum entworfen. Der alte Infusionsraum wurde in „Liquid Energy“ umgetauft. Auch dort folgen Farben und Licht einem ausgeklügelten Konzept und sollen den Geist anregen. Nur die beiden Shiatsu-Räume, als einzige mit Nussbaumparkett ausgestattet, strahlen kuschelige Wärme aus. Shiatsu braucht Erdung, so das Team. Das große Schwimmbad mit angeschlossenem Sonnendeck wird u.a. für Aqua-Fitness-Kurse genutzt. Daneben stehen noch ein funktionaler „Raum der Bewegung“ und ein Fitnessraum zur Verfügung. Dass sich das Gesundheitszentrum weniger über Wellness definiert, wird spätestens an der überschaubaren und funktionalen Kneipplandschaft deutlich. Dazu kommen eine finnische Sauna, ein Sanarium und ein Solarium. Das reicht aus, denn zum Saunieren bleibt den Gästen neben den Behandlungen nur wenig Zeit. Optimale Therapie für jeden Gast. Das Leistungsspektrum im Lanserhof basiert auf individuell zugeschnittenen Bausteinen, die sich gegenseitig ergänzen:
Regeneration braucht Zeit. Der Angebotskatalog ist neben Kennenlernangeboten schwerpunktmäßig auf Mindestaufenthalte ab einer Woche ausgerichtet. Das Programm ist übersichtlich gestaltet und lässt dem Gast die Möglichkeit, sich aus einer Vielzahl von Therapien und diagnostischen Leistungen sein individuelles Paket zusammenzustellen. Verschiedene Arrangements beinhalten jeweils eine Kombination aus Gesundheits-Check, verschiedenen Detox-Behandlungen und Massagen. Grundsätzlich rät man im Lanserhof zu einem längeren Aufenthalt: Für einen nachhaltigen Regenerationserfolg sei aus medizinischen Gründen ein Mindestaufenthalt von zwei Wochen erforderlich. Expansion in den Harz? Andreas Wieser ist über das Jahr viel im In- und Ausland als Botschafter in eigener Sache unterwegs, die er mit Engagement auf zahlreichen Kongressen und Fach-Veranstaltungen vertritt. Einiges deutet darauf hin, dass der Lanserhof den Ruf als „Eldorado für Zivilisationskranke“ in Zukunft weiter festigen wird. Eine Expansion scheint nicht ausgeschlossen: Laut Presseberichten wird möglicherweise bald auch weiter im Norden ein Lanserhof Gesundheitszentrum seine Pforten öffnen. Als Standort ist das Städtchen St. Andreasberg im Harz im Gespräch. Der Lanserhof bleibt auch in dieser Frage diskret: Bestätigen will man dort nur, dass man derzeit „auf der Gesprächsebene“ sei. Nathalie Kopsa |
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