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Luxus-Design im Spa

"Bath of Senses"

Von Joachim G. Hallwachs

Der Titel stellt eine Herausforderung dar. Wie definiert sich Luxus im Spa von heute und vielmehr im Spa der Zukunft? Darf man in einer Zeit des allgemeinen „großen Jammerns“ überhaupt noch den Begriff Luxus verwenden?

Ich meine ja. Vor allem, wenn man unter Luxus versteht, einen Ort zu schaffen, der ausschließlich dem Wohlbefinden, der Entspannung und der Gesundheit des Menschen dient. Denn die wahren Luxusgüter der Zukunft sind nicht die rein materiellen Werte – es sind Gesundheit, Vitalität, Harmonie, Zeit für sich selbst zu haben, Kraft zu tanken, im Zeitalter des rapide um sich greifenden „Burnout-Syndroms" wieder zu sich selbst zu finden (Selfness heißt ja das schöne Schlagwort, von M. Horx kreiert), sich selbst zu akzeptieren, Lebensfreude zu spüren.

Als Designer fragt man sich natürlich: Was muss ich tun, um derartige „Luxus-Orte“ zu schaffen? Oasen, die den Menschen darin unterstützen, all das oben Beschriebene zu erlangen. Dass ein holistisches, den Menschen ganzheitlich erfassendes Spa über verschiedene Segmente wie Aktivbereich, Treatment Area, Sauna- und Wasserwelt, Entspannungs-Oasen und dergleichen verfügen muss, ist allgemein bekannt, aber wie gestalte ich diese zeitgemäß?
Luxus definiert sich – zum Glück – schon lange nicht mehr rein über die Materialien. Der brasilianische Marmor oder der Wasserhahn aus Platin reißen keinen Eskimo mehr vom Schlitten. Luxus hat etwas mit Raum zu tun. Platz ist Luxus – was keineswegs bedeutet, dass man große Räume mit möglichst vielen teuren Gegenständen füllt. Nein, der Raum selbst ist das Kostbare. Man muss dem Auge Zeit geben, sich zu erholen, Blickfänge sparsam und bewusst setzen. Der Raum selbst ist die Quelle der Kraft in unserem Universum. Die moderne Physik zeigt, dass der leere Raum, das so genannte Vakuum, ein Vielfaches mehr an Energie enthält als die Materie des gesamten Kosmos.

Auch Authentizität ist Luxus. Eine Shiatsu-Kabine im Allgäuer Stil wird ganz einfach nicht funktionieren. Nicht einfach schöne Designer-Räume sind die wahren Kostbarkeiten, sondern Kraftorte, energetische Räume, welche die jeweilige Behandlung, den Sinn und Zweck eines Raumes positiv unterstützen. Die Materialien und das Equipment müssen mit Liebe zum Detail auf einen Raum abgestimmt werden – das ist Luxus, den sich leider nicht sehr viele bei der Entwicklung eines Konzepts gönnen. Dies bedeutet natürlich keineswegs, dass die Funktion deshalb in den Hintergrund tritt. Funktion und Emotion müssen harmonieren. Es ist z.B. kein Luxus, im Spa mit vielen unterschiedlichen Materialien zu protzen. Ein Spa ist ein Ort der Entspannung und keine Musterausstellung einer Herstellerfirma.

Das Zusammenspiel mit echter Kunst im Spa ist Luxus. Ein tolles Bild oder eine spannende Skulptur, gezielt eingesetzt und richtig inszeniert, können für unglaubliche Effekte sorgen. Es geht um Stimmung, um Atmosphäre, um Emotion. Natürlich spielen die Elemente eine wesentliche Rolle, die Energie des Wassers, die Faszination des Feuers, die Natürlichkeit der Erde, die Leichtigkeit der Luft. Aber auch hier gilt, und dies nicht nur aus wirtschaftlichen Gründen: Weniger kann mehr sein. Ein kleiner, aber stimmungsvoll ausgeleuchteter Sole-Pool mit einer warmen Quelle hinter einem Wasserfall platziert, mit Fackeln inszeniert, kann wesentlich mehr Atmosphäre schaffen als ein riesiger Beachpool.

Der richtige Einsatz von Licht, Klang und Aromen, die Berücksichtigung von Klima und Akustik beeinflussen uns ganz nachhaltig. Auch hier geht es nicht um Investment. Nach wie vor gibt es kein Leuchtmittel auf diesem Planeten, welches Kerzenlicht ersetzen kann. Luxus ist es auch, sich die Technik wieder als Hilfsmittel untertan zu machen und nicht Diener derselben zu sein. Technik ist wichtig, aber hier gilt das System „KISS“ (keep it simple and stupid). Was nützt die Treatment Suite mit teuren Licht- und Sound-Systemen, wenn der Mitarbeiter sie nicht rasch und effizient bedienen kann. Dies gilt übrigens keineswegs nur für das Spa, sondern auch für das Hotelzimmer. Es kann nicht sein, dass man zwei Semester Informatik benötigt, um den Touchscreen am Nachttisch zu bedienen.

Luxus im Spa bedeutet weiterhin, auf die unterschiedlichen Bedürfnisse der Geschlechter einzugehen. Das Potenzial „Mann“ im Beauty- und Treatmentbereich kann nicht annähernd ausgeschöpft werden, wenn man(n) sich als fünftes Rad am Wagen einer damenorientierten Welt fühlt. Hier unterschiedliche kleine Welten zu kreieren, benötigt Raum und Geld, lohnt sich jedoch und spricht keinesfalls gegen die immer populärer werdenden Luxury Spa Suiten für Paare, ganz im Gegenteil. Diese Suiten sind wichtig, haben aber einen ganz anderen psychologischen Hintergrund als der reine Treatment-Bereich. Ein ganz wesentlicher Aspekt ist das perfekte Zusammenspiel von Design und Ritual. Spa-Gäste lieben Rituale – und dabei geht es nicht um reine Show-Treatments. Wahren Luxus bietet, wer in der Lage ist, aus einer ganz simplen Massage ein für den Gast unvergessliches Ritual zu inszenieren.

Das Fazit: Luxus ist das sorgfältige Zusammenspiel zwischen Platz, Raumkubus, Energie, Design, Kunst und Dekoration. Die Harmonie von Farbe, Licht, Klang und Aroma. Die Kunst, alle Teile des Spa – auch den häufig sehr stiefmütterlich behandelten Fitnessbereich – in ein Gesamtkonzept einzubinden. Alle Bereiche des Spa müssen ineinander fließen, es darf keine Fremdkörper geben. Die Quintessenz für den Designer ist jedoch: „Der Mensch muss immer im Mittelpunkt all unseres planerischen Handelns stehen“. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen bei der Planung Ihres persönlichen Luxus-Spa viel Spaß.